Music: Carl-Maria von Weber
Lasst mich zufrieden, oder -!
Was gibt's hier? Pfui, dreissig über einen!
Wer untersteht sich, meinen Burschen anzutasten?
Alles in Güte und Liebe, werter Herr Erbförster, gar nicht böse gemeint!
Es ist Herkommen bei uns, dass, wer stets gefehlt hat, vom Königsschuss ausgeschlossen und dann ein wenig gehänselt wird - alles in Güte und Liebe.
Stets gefehlt? Wer? Wer hat das?
Es ist freilich arg, wenn der Bauer einmal über den Jäger kommt - aber fragt ihn nur selbst.
Ich kann's nicht leugnen; ich habe nie getroffen.
Dank, Samiel!
Max! Max! Ist's möglich? Du, sonst der beste Schütze weit und breit!
Seit vier Wochen hast du keine Feder nach Hause gebracht, und auch jetzt -?
Pfui der Schande!
Glaube mir, Kamerad, es ist, wie ich gesagt habe:
Es hat dir jemand einen Weidmann gesetzt, und den musst du lösen, oder du triffst keine Klaue.
Possen!
Das meine ich eben, so etwas ist leicht gemacht; lass dir raten, Kamerad!
Geh am nächsten Freitag auf einen Kreuzweg, zieh mit dem Ladestock oder einem blutigen Degen einen Kreis um dich und rufe dreimal den grossen Jäger -Gott bewahr' uns! Einen von des Teufels Heerscharen!
Schweig, vorlauter Bube! Ich kenne dich längst. Du bist ein Tagedieb, ein Schlemmer, ein falscher Würfler -
hüte dich, dass ich nicht noch Ärgeres von dir denke.
Kein Wort, oder du hast auf der Stelle den Abschied! Aber auch du, Max, sieh dich vor! Ich bin dir wie ein Vater gewogen;
es freut mich, dass der Herr Fürst Sohnesrecht auf den Eidam übertragen will, aber, wenn du morgen beim Probeschuss fehltest,
müsst' ich dir doch das Mädchen versagen. Wollt ihr in der Irre herumlaufen?
Morgen! morgen schon!
Was ist das eigentlich mit dem Probeschuss? Schon oft haben wir davon gehört.
Ja, auch wir. Aber noch hat uns niemand die rechte Bewandtnis zu sagen gewusst.
O erzählt's uns, Herr Kuno!
Meinetwegen! Zum Hoflager kommen wir noch zeitig genug.
Mein Urältervater, der noch im Forsthause abgebildet steht, hiess Kuno, wie ich, und war fürstlicher Leibschütz.
Einst trieben die Hunde einen Hirsch heran, auf dem ein Mensch angeschmiedet war - so bestrafte man in alten Zeiten die Waldfrevler.
Dieser Anblick erregte das Mitleid des damaligen Fürsten. Er versprach demjenigen, welcher den Hirsch erlege, ohne den Missetäter zu verwunden,
eine Erbförsterei, und zur Wohnung das nah gelegene Waldschlösschen.
Der wackere Leibschütz, mehr aus eigenem Erbarmen als wegen der grossen Verheissung, besann sich nicht lange.
Er legte an und befahl die Kugel den heiligen Engeln. Der Hirsch stürzte, und der Wilddieb war, obwohl im Gesicht vom Dorngebüsch derb zerkrazt,
doch im übrigen unversehrt.
Gott sei Dank! der arme Wildschütz!
Brav, brav! Das war ein Meisterschuss!
Oder ein Glücksfall, wenn nicht vielleicht gar -
Ich möchte der Kuno gewesen sein!
Auch mein Urvater freute sich sehr über die Rettung des Unglücklichen, und der Fürst erfüllte in allem seine Zusage.
So? Also davon schreibt sich der Probeschuss her, Nachbarn und Freunde! Nun weiss man's doch auch!
Hört noch das Ende! Es ging damals wie jetzt,
dass der böse Feind immer Unkraut unter den Weizen säet. Kunos Neider wussten es an den Fürsten zu bringen,
der Schuss sei mit Zauberei geschehen, Kuno habe nicht gezielt, sondern eine Freikugel geladen.
Dacht' ich's doch!
Hilf zu, Samiel!
Eine Freikugel? Das sind Schlingen des bösen Feindes; meine Grossmutter hat mir's einmal erklärt.
Sechse treffen, aber die siebente gehört dem Bösen; der kann sie hinführen, wohin's ihm beliebt.
Alfanzerei! Nichts als Naturkräfte!
Aus diesem Grunde machte der Fürst bei der Stiftung den Zusatz: "Dass jeder von Kunos Nachfolgern zuvor einen Probeschuss ablege,
Doch genug nun!Wir wollen uns wieder auf den Weg machen! Du aber, Max, magst noch einmal zu Hause nachsehen, ob sämtliche Treibleute angelangt sind.
Nimm dich zusammen! Der Weidmann, der dir gesetzt ist, mag die Liebe sein. Noch vor Sonnenaufgang erwarte ich dich beim Hoflager.