Music: Richard Strauss
Selbstverständlich empfängt mich Ihro Gnaden.
Pardon, mein hübsches Kind!
Ich sag': Pardon, mein hübsches Kind.
Ich hab' Ihr doch nicht ernstlich wehgetan?
Ihre fürstlichen Gnaden!
Euer Liebden sehen vortrefflich aus.
Sieht Er jetzt wohl, dass Ihre Gnaden entzückt ist, mich zu sehn.
Und wie sollten Euer Gnaden nicht! Was tut die frühe Stunde unter Personen von Stand?
Hab' ich nicht seinerzeit wahrhaftig Tag für Tag unsrer Fürstin Brioche meine Aufwartung gemacht,
da sie im Bad gesessen ist, mit nichts als einem kleinen Wandschirm zwischen ihr und mir.
Ich muss mich wundern, wenn Euer Gnaden Livree -
Verzeihen Sie! Man hat sich betragen, wie es befohlen war.
Ich hatte diesen Morgen die Migräne.
Ein hübsches Ding! Ein gutes saub'res Kinderl!
Ich bin auch jetzt noch nicht ganz wohl.
Der Herr Vetter wird darum vielleicht die Gnade haben -
Natürlich.
Meine Kammerzofe, ein junges Ding vom Lande.
Ich muss fürchten, sie inkommodiert Euer Liebden.
Ganz allerliebst! Wie? Nicht im geringsten! Mich? Im Gegenteil!
Euer Gnaden werden vielleicht verwundert sein,
dass ich als Bräutigam indes - inzwischen -
Als Bräutigam?
Ja, wie Euer Gnaden denn doch aus meinem Brief genugsam -
Ein Grasaff' appetitlich, keine fünfzehn Jahr!
Der Brief, natürlich, ja, der Brief, wer ist denn nur die Glückliche?
Ich hab den Namen auf der Zunge.
Wie? Pudeljung! Gesund! Gewaschen! Allerliebst!
Wer ist nur schnell die Braut?
Das Fräulein Faninal. Habe Euer Gnaden den Namen nicht verheimlicht.
Natürlich! Wo hab' ich meinen Kopf?! Bloss die Familie. Sind's keine Hiesigen?
Jawohl, Euer Gnaden, es sind Hiesige. Ein durch die Gnade Ihrer Majestät Geadelter.
Er hat die Lieferung für die Armee, die in den Niederlanden steht.
Ich seh', Euer Gnaden runzeln Dero schöne Stirn ob der Mesalliance.
Allein dass ich es sage, das Mädchen ist für einen Engel hübsch genug.
Kommt frischweg aus dem Kloster. Ist das einzige Kind.
Dem Mann gehören zwölf Häuser auf der Wied'n nebst dem Palais am Hof.
Und seine Gesundheit soll nicht die beste sein.
Mein lieber Vetter, ich kapier' schon, wieviel's geschlagen hat.
Und mit Verlaub, fürstliche Gnaden, ich dünke mir, gut's adeliges Blut genug im Leib zu haben für ihrer zwei:
man bleibt doch schliesslich, was man ist, corpo di Bacco!
Den Vortritt, wo er ihr gebührt, wird man der Frau Gemahlin noch zu verschaffen wissen,
und was die Kinder anlangt, wenn sie denen den goldnen Schlüssel nicht konzedieren werden -
Va bene! Sie werden sich mit den zwölf eisernen Schlüsseln zu den zwölf Häusern auf der Wied'n zu getrösten wissen.
Gewiss! O sicherlich, dem Vetter seine Kinder, die werden keine Don Quichotten.
Warum hinaus die Schokolade! Geruhen nur! Da! Pst, pst, wieso denn!
Fort, geh' Sie nur!
Wenn ich Euer Gnaden gesteh', dass ich so gut wie nüchtern bin.
Mariandel, komm' Sie her. Servier' Sie Seiner Liebden.
So gut wie nüchtern, Euer Gnaden. Sitz' im Reisewagen seit fünf Uhr früh.
Recht ein gestelltes Ding! Bleib' Sie hier, mein Herz.
Ich hab' Ihr was zu sagen. Meine ganze Livree,
Stallpagen, Jäger, alles - Alles unten im Hof zusammt meinem Altmosenier.
Geh' Sie nur.
Hat Sie noch ein Biskoterl? Bleib' Sie doch! Sie ist ein süsser Engel, Schatz, ein sauberer.
Sind auf dem Wege zum »Weissen Rosse«, wo wir logieren, heisst bis übermorgen -
Ich gäb' was Schönes drum, mit Ihr - bis übermorgen - unter vier Augen zu scharmutzieren! Wie?
Dann ziehen wir ins Palais von Faninal. Natürlich muss ich vorher den Bräutigamsaufführer -
will Sie denn nicht warten? - an die wohlgeborne Jungfer Braut deputieren,
der die Silberrosen überbringt nach der hochadeligen Gepflogenheit.
Und wen von der Verwandtschaft haben Euer Liebden für dieses Ehrenamt ausersehn?
Die Begierde, darüber Euer Gnaden Ratschlag einzuholen,
hat mich so kühn gemacht, in Reisekleidern bei Dero heutigem Lever -
Von mir?
Ich bin doch nicht so unglücklich, mit dieser devotesten Supplik Dero Missfallen .../Sie könnte mit mir machen, was Sie wollte. Sie hat das Zeug dazu!
Wie denn, natürlich! Einen Aufführer für Euer Liebden ersten Bräutigamsbesuch aus der Verwandtschaft -
wen denn nur? den Vetter Preysing? Wie? Den Vetter Lambert? Ich werde -
Dies liegt in Euer Gnaden allerschönsten Händen.
Ganz gut. Will Er mit mir zu Abend essen, Vetter?
Sagen wir morgen, will Er?
Dann proponier' ich Ihm einen.
Euer Gnaden sind die Herablassung selber.
Indes -
Dass Sie mir wiederkommt! Ich geh' nicht eher fort!
Oho! Bleib' Sie nur da! Kann ich dem Vetter für jetzt noch dienlich sein?
Ich schäme mich bereits: An Euer Gnaden Notari eine Rekommandation wäre mir lieb. Es handelt sich um den Ehvertrag.
Mein Notari kommt öfters des Morgens. Schau' Sie doch, Mariandel, ob er nicht in der Antichambre ist und wartet.
Wozu das Kammerzofel? Euer Gnaden beraubt sich der Bedienung um meinetwillen.
Lass Er doch, Vetter, Sie mag ruhig gehn.
Das geb' ich nicht zu, bleib' Sie hier zu Ihrer Gnaden Wink.
Es kommt gleich wer von der Livree herein. Ich liess ein solches Goldkind,
meiner Seel', nicht unter das infame Lakaienvolk.
Euer Liebden sind allzu besorgt.
Da, hab' ich's nicht gesagt? Er wird Euer Gnaden zu melden haben.
Struhan, hab' ich meinen Notari in der Vorkammer warten?
Fürstliche Gnaden haben den Notari, dann den Verwalter, dann den Kuchelchef,
dann von Exzellenz Silva hergeschickt ein Sänger mit einem Flötisten. Ansonsten das gewöhnliche Bagagi.