Music: Richard Wagner
Wohin schleichst du
eilig und schlau,
schlimmer Gesell?
Verfluchter Bruder,
dich braucht’ ich hier!
Was bringt dich her?
Geizt es dich, Schelm,
nach meinem Gold?
Verlangst du mein Gut?
Fort von der Stelle!
Die Stätte ist mein:
was stöberst du hier?
Stör’ ich dich wohl
im stillen Geschäft,
wenn du hier stiehlst?
Was ich erschwang
mit schwerer Müh’,
soll mir nicht schwinden.
Hast du dem Rhein
das Gold zum Ringe geraubt?
Erzeugtest du gar
den zähen Zauber im Reif?
Wer schuf den Tarnhelm,
der die Gestalten tauscht?
Der sein’ bedurfte,
erdachtest du ihn wohl?
Was hättest du Stümper
je wohl zu stampfen verstanden?
Der Zauberring
zwang mir den Zwerg erst zur Kunst.
Wo hast du den Ring?
Dir Zagem entrissen ihn Riesen!
Was du verlorst,
meine List erlangt’ es für mich.
Mit des Knaben Tat
will der Knicker nun knausern?
Dir gehört sie gar nicht,
der Helle ist selbst ihr Herr!
Ich zog ihn auf;
für die Zucht zahlt er mir nun:
für Müh’ und Last
erlauert’ ich lang meinen Lohn!
Für des Knaben Zucht
will der knickrige schäbige Knecht
keck und kühn
wohl gar König nun sein?
Dem räudigsten Hund
wäre der Ring geratner als dir:
nimmer erringst
du Rüpel den Herrscherreif!
Behalt’ ihn denn,
und hüt’ ihn wohl,
den hellen Reif!
Sei du Herr:
doch mich heiße auch Bruder!
Um meines Tarnhelms
lustigen Tand
tausch’ ich ihn dir:
uns beiden taugt’s,
teilen die Beute wir so.
Teilen mit dir?
Und den Tarnhelm gar?
Wie schlau du bist!
Sicher schlief’ ich
niemals vor deinen Schlingen!
Selbst nicht tauschen?
Auch nicht teilen?
Leer soll ich gehn?
Ganz ohne Lohn?
Gar nichts willst du mir lassen?
Nichts von allem!
Nicht einen Nagel
sollst du dir nehmen!
Weder Ring noch Tarnhelm
soll dir denn taugen!
Nicht teil’ ich nun mehr!
Gegen dich doch ruf’
ich Siegfried zu Rat
und des Recken Schwert:
der rasche Held,
der richte, Brüderchen, dich!
Kehre dich um: –
aus der Höhle kommt er daher.
Kindischen Tand
erkor er gewiß.
Den Tarnhelm hält er!
Doch auch den Ring!
Verflucht! – Den Ring!
Laß ihn den Ring dir doch geben!
Ich will ihn mir schon gewinnen.
Und doch seinem Herrn
soll er allein noch gehören!
Was ihr mir nützt,
weiß ich nicht;
doch nahm ich euch
aus des Horts gehäuftem Gold,
weil guter Rat mir es riet.
So taug’ eure Zier
als des Tages Zeuge:
mich mahne der Tand,
daß ich kämpfend Fafner erlegt,
doch das Fürchten noch nicht gelernt!
Hei! Siegfried gehört
nun der Helm und der Ring!
O, traute er Mime,
dem Treulosen, nicht!
Hörte Siegfried nur scharf
auf des Schelmen Heuchlergered’:
wie sein Herz es meint,
kann er Mime verstehn:
so nützt’ ihm des Blutes Genuß.
Er sinnt und erwägt
der Beute Wert: –
weilte wohl hier
ein weiser Wand’rer,
schweifte umher,
beschwatzte das Kind
mit list’ger Runen Rat?
Zwiefach schlau
sei nun der Zwerg;
die listigste Schlinge
leg’ ich jetzt aus,
daß ich mit traulichem
Truggerede
betöre das trotzige Kind!