Music: Richard Strauss
Ich kann nicht sitzen und ins Dunkel starren
wie du. Ich hab's wie Feuer in der Brust,
es treibt mich immerfort herum im Haus,
in keiner Kammer leidet's mich, ich muss
von einer Schwelle auf die andre, ach!
treppauf, treppab, mir ist, als rief' es mich,
und komm ich hin, so stiert ein leeres Zimmer
mich an. Ich habe soche Angst, mir zittern
die Knie bei Tag und Nacht, mir ist die Kehle
wie zugeschnĂŒrt, ich kann nicht einmal weinen,
wie Stein ist Alles! Schwester, hab Erbarmen!
Mit wem?
Du bist es, die mit Eisenklammern
mich an den Boden schmiedet. WĂ€rst nicht du,
sie liessen uns hinaus. WĂ€r nicht dein Hass,
dein schlafloses, unbĂ€ndiges GemĂŒt,
vor dem sie zittern, ah, so liessen sie
uns ja heraus aus diesem Kerker, Schwester!
Ich will heraus! Ich will nicht jede Nacht
bis an den Tod hier schlafen! Eh ich sterbe,
will ich auch leben! Kinder will ich haben,
bevor mein Leib verwelkt, und wÀrs ein Bauer,
dem sie mich geben, Kinder will ich ihm
gebÀren und mit meinem Leib sie wÀrmen
in kalten NĂ€chten, wenn der Sturm die HĂŒtte
zusammenschĂŒttelt!
Hörst du mich an? Sprich zu mir, Schwester!
Armes Geschöpf!
Hab Mitleid mit der selber und mit mir!
Wem frommt denn solche Qual?
Der Vater, der ist tot. Der Bruder kommt nicht heim.
Immer sitzen wir auf der Stange
wie angehÀngte Vögel, wenden links
und rechts den Kopf und niemand kommt kein Bruder --
kein Bote von dem Bruder, nicht der Bote
von einem Boten. Nichts -- Mit Messern
grÀbt Tag um Tag in dein und mein Gesicht
sein Mal und draussen geht die Sonne auf
und ab, und Frauen, die ich schlank gekannt hab',
sind schwer von Segen, mĂŒhn sich zum Brunnen
heben kaum die Eimer, und auf einmal
sind sie entbunden ihrer Last kommen
zum Brunnen wieder und aus ihnen selber
quillt sĂŒsser Trank und sĂ€ugend hĂ€ngt ein Leben
an ihnen, und die Kinder werden gross --
Nein, ich bin
ein Weib und will ein Weiberschicksal.
Viel lieber tot als leben und nicht leben.
Was heulst du? Fort, hinein! Dort ist dein Platz.