Fidelio Op. 72, ACT 1: Nr 1 Duett: Jetzt, Schätzchen, sind wir allein (Jaquino/Marzelline)

(Der Hof des Staatsgefängnisses. Marzelline plättet Wäsche vor ihrer Tür. Jaquino hält sich bei seinem Stübchen; er öffnet die Tür mehreren Personen, die ihm Pakete übergeben, welche er in sein Stübchen legt.) JAQUINO: (verliebt und sich die Hände reibend) Jetzt, Schätzchen, jetzt sind wir allein, wir können vertraulich nun plaudern. MARZELLINE: (ihre Arbeit fortsetzend) Es wird wohl nichts Wichtiges sein, ich darf bei der Arbeit nicht zaudern. JAQUINO: Ein Wörtchen, du Trotzige, du! MARZELLINE: So sprich nur, ich höre ja zu. JAQUINO: Wenn du mir nicht freundlicher blickest, so bring’ ich kein Wörtchen hervor. MARZELLINE: Wenn du dich nicht in mich schickest, verstopf’ ich mir vollends das Ohr. JAQUINO: Ein Weilchen nur höre mir zu, (So hab’ ich denn nimmermehr Ruh’,) dann laß ich dich wieder in Ruh’. (so rede, so rede nur zu.) Ich – ich habe – ich habe zum Weib dich gewählet, verstehst du? MARZELLINE: Das ist ja doch klar. JAQUINO: Und wenn mir dein Jawort nicht fehlet, was meinst du? MARZELLINE: So sind wir ein Paar. JAQUINO: Wir könnten in wenigen Wochen ... MARZELLINE: Recht schön, du bestimmst schon die Zeit. Recht schön, du bestimmst schon die Zeit! (Wir könnten in wenigen Wochen ...) (Man pocht.) JAQUINO: Zum Henker das ewige Pochen! (So bin ich doch endlich befreit!) Da war ich so herrlich im Gang, (Wie macht seine Liebe) und immer entwischt mir der Fang. (seine Liebe mir bang,) und immer entwischt mir der Fang. (wie werden die Stunden mir lang.) (Jaquino öffnet die Pforte, nimmt ein Paket ab und legt es in sein Stübchen; unterdessen fährt Marzelline fort.) MARZELLINE: Ich weiß, daß der Arme sich quälet, es tut mir so leid auch um ihn! Fidelio hab’ ich gewählet, ihn lieben ist süßer Gewinn. JAQUINO: (zurückkommend) Wo war ich? Sie sieht mich nicht an! MARZELLINE: Da ist er – er fängt wieder an! JAQUINO: Wann wirst du das Jawort mir geben? Es könnte ja heute noch sein. MARZELLINE: (beiseite) O weh! Er verbittert mein Leben! (zu Jaquino) Jetzt, morgen und immer: nein, nein! JAQUINO: Du bist doch wahrhaftig von Stein, (Ich muß ja so hart mit ihm sein.) Du bist doch wahrhaftig von Stein, (Jetzt, morgen und immer nein, nein!) kein Wünschen, kein Bitten geht ein. MARZELLINE: (für sich) Ich muß ja so hart mit ihm sein, er hofft bei dem mindesten Schein. JAQUINO: So wirst du dich nimmer bekehren? Was meinst du? MARZELLINE: Du könntest nun geh’n. JAQUINO: Wie? Dich anzusehen, willst du mir wehren? Auch das noch? MARZELLINE: So bleibe hier steh’n! (Auch das noch?) JAQUINO: Du hast mir so oft doch versprochen ... MARZELLINE: Versprochen? Nein, das geht zu weit! JAQUINO: Du hast mir so oft doch versprochen ... (Versprochen? Nein, das geht zu weit!) (Man pocht.) Zum Henker das ewige Pochen, zum Henker! (So bin ich doch endlich befreit!) Es ward ihr im Ernste schon bang, (Das ist ein willkommener Klang,) im Ernste schon bang, (ein willkommener Klang,) Es ward ihr im Ernste schon bang, (Klang ...) wer weiß, ob es mir nicht gelang. (ein willkommener Klang,) wer weiß, ob es mir nicht gelang. (es wurde zu Tode mir bang.)