Music: Wolfgang Amadeus Mozart (Sprecher geht mit einem Priester ab, alle Priester stellen sich mit ihren Palmzweigen zusammen.) SARASTRO O Isis und Osiris, schenket der Weisheit Geist dem neuen Paar! Die ihr Schritte der Wand’rer lenket, stärkt mit Geduld sie in Gefahr. PRIESTER Stärkt mit Geduld sie in Gefahr. SARASTRO Laßt sie der Prüfung Früchte sehen, doch sollten sie zu Grabe gehen, so lohnt der Tugend kühnen Lauf, nehmt sie in euren Wohnsitz auf. PRIESTER Nehmt sie in euren Wohnsitz auf. (Sarastro geht voraus, dann alle ihm nach ab.) (Nacht, der Donner rollt von weitem. Das Theater verwandelt sich in einen kurzen Vorhof des Tempels, wo man Ruinen von eingefallenen Säulen und Pyramiden sieht, nebst einigen Dornbüschen. An beyden Seiten stehen practicable hohe altägyptische Thüren, welche mehr Seitengebäude vorstellen. Tamino und Papageno werden vom Sprecher und dem andern Priester hereingeführt; sie lösen ihnen die Säcke ab; die Priester gehen dann ab.) TAMINO Eine schreckliche Nacht! - Papageno, bist du noch bey mir? PAPAGENO J, freylich! TAMINO Wo denkst du, dass wir uns nun befinden? PAPAGENO Wo? Ja wenns nicht finster wäre, wollt' ich dirs schon sagen - aber so - (Donnerschlag) O weh! - TAMINO Was ists? PAPAGENO Mir wird nicht wohl bey der Sache! TAMINO Du hast Furcht, wie ich höre. PAPAGENO Furcht eben nicht, nur eiskalt läufts mir über den Rücken. (Starker Donnerschlag) O weh! (Sprecher und der andere Priester mit Fackeln.) SPRECHER Ihr Fremdlinge, was sucht oder fordert ihr von uns? Was treibt euch an, in unsre Mauern zu dringen? TAMINO Freundschaft und Liebe. SPRECHER Bist du bereit, es mit deinem Leben zu erkämpfen? TAMINO Ja! SPRECHER Du unterziehst jeder Prüfung? TAMINO Jeder! SPRECHER So! Reiche deine Hand mir! (sie reichen sich die Hände) ZWEYTER PRIESTER Willst auch du dir Weisheitsliebe erkämpfen, Papageno? PAPAGENO Kämpfen ist meine Sache nicht. - Ich verlang' auch im Grunde gar keine Weisheit. Ich bin so ein Natursmensch, der sich mit Schlaf, Speise und Trank begnügt; - und wenn es ja seyn könnte, dass ich mir einmahl ein schönes Weibchen fange. ZWEYTER PRIESTER Die wirst du nie erhalten, wenn du dich nicht unsern Prüfungen unterziehst. PAPAGENO Worinn besteht diese Prüfung? - ZWEYTER PRIESTER Dich allen unsern Gesetzen unterwerfen, selbst den Tod nicht scheuen. PAPAGENO Ich bleibe ledig! ZWEYTER PRIESTER Wenn nun aber Sarastro dir ein Mädchen aufbewahrt hätte, das an Farbe und Kleidung dir ganz gleich wäre? - PAPAGENO Mir ganz gleich! Ist sie jung? ZWEYTER PRIESTER Jung und schön! PAPAGENO Und heisst? ZWEYTER PRIESTER Papagena. PAPAGENO Wie? - Pa? ZWEYTER PRIESTER Papagena! PAPAGENO Papagena? - Die möcht' ich aus blosser Neugierde sehen. ZWEYTER PRIESTER Sehen kannst du sie! - - PAPAGENO Aber wenn ich sie gesehen habe, hernach muss ich sterben? (Zweyter Priester macht eine zweydeutige Pantomime.) Ja? - Ich bleibe ledig! ZWEYTER PRIESTER Sehen kannst du sie, aber bis zur verlaufenen Zeit kein Wort mit ihr sprechen. PAPAGENO O ja! ZWEYTER PRIESTER Deine Hand! du sollst sie sehen. SPRECHER Auch dir, Prinz, legen die Götter ein heilsames Stillschweigen auf; ohne diesem seyd ihr beyde verlohren. - Du wirst Pamina sehen - aber nie sie sprechen dürfen; diess ist der Anfang eurer Prüfungszeit. -