Music: Wolfgang Amadeus Mozart (Das Theater verwandelt sich in eine Halle. Tamino und Papageno werden ohne Säcke, von den zwey Priestern herein geführt. Ganz vorne sind zwey Rasenbänke.) SPRECHER Hier seyd ihr euch beyde allein überlassen. - Vergesst das Wort nicht: Schweigen. (ab) ZWEYTER PRIESTER Leb wohl! (ab) (Tamino setzt sich auf eine Rasenbank.) PAPAGENO (nach einer Pause) Tamino! TAMINO (verweisend) St! PAPAGENO Das ist ein lustiges Leben! - Wär' ich lieber in meiner Strohhütte, oder im Walde, so hört ich doch manchmahl einen Vogel pfeifen. TAMINO (verweisend) St! PAPAGENO Mit mir selbst werd' ich wohl sprechen dürfen; und auch wir zwey können zusammen sprechen, wir sind ja Männer. TAMINO (verweisend) St! PAPAGENO (singt) La la la - la la la! - Nicht einmal einen Tropfen Wasser bekommt man bey diesen Leuten; viel weniger sonst was. (Ein altes hässliches Weib kommt aus der Versenkung, hält auf einer Tasse einen grossen Becher mit Wasser.) PAPAGENO (sieht sie lang an) He, wer kommt denn da! He, alte! Ist dieser Becher für mich? WEIB Ja, mein Engel! PAPAGENO (sieht sie wieder an, trinkt) Wasser! WEIB Freylich mein Engel! PAPAGENO So, so! - Geh Alte, setze dich her zu mir, mir ist die Zeit verdammt lange. - Wie alt bist du denn? WEIB Achtzehn Jahr, und zwei Minuten. PAPAGENO Achtzig Jahr, und zwei Minuten? WEIB Achtzehn Jahr, und zwei Minuten. PAPAGENO Achtzehn Jahr, und zwei Minuten! Ha ha ha! - Ey du junger Engel! Hast du auch einen Geliebten? WEIB J' freylich! PAPAGENO Ist er auch so jung wie du? WEIB Nicht gar, er ist um zehn Jahre älter. - PAPAGENO Um zehn Jahr ist er älter als du? - Das muss eine Liebe seyn! - Wie nennt sich denn dein Liebhaber? WEIB Papageno! PAPAGENO (erschrickt, Pause) Papageno? - Wo ist er denn dieser Papageno? WEIB Da sitzt er mein Engel! PAPAGENO Ich wär dein Geliebter? WEIB Ja mein Engel! PAPAGENO (nimmt schnell das Wasser, und spritzt sie ins Gesicht) Sag du mir, wie heisst du denn? WEIB Ich heisse - (starker Donner, die Alte hinkt schnell ab) PAPAGENO Weg ist sie! TAMINO (steht auf, droht ihm mit dem Finger.) St! PAPAGENO Nun sprech ich kein Wort mehr! (Die drey Knaben kommen in einem mit Rosen bedeckten Flugwerk. In der Mitte steht ein schöner gedeckter Tisch. Der eine hat die Flöte, der andere das Kästchen mit Glöckchen.) DIE DREY KNABEN Seyd uns zum zweytenmal willkommen Ihr Männer in Sarastros Reich! Er schickt, was man euch abgenommen, Die Flöte und die Glöckchen euch. Wollt ihr die Speisen nicht verschmähen, So esset, trinket froh davon! Wenn wir zum drittenmal uns sehen, Ist Freude eures Muthes Lohn! Tamino Muth! Nah ist das Ziel, Du Papageno, schweige still. (Sie stellen den Tisch auf und fliegen auf.) PAPAGENO Tamino, wollen wir nicht speisen? - - (Tamino bläst auf seiner Flöte.) Blase du nur fort auf deiner Flöte. - Herr Sarastro führt eine gute Küche. - Will ich schon schweigen, wenn ich immer solche gute Bissen bekomme. Ob auch der Keller so gut bestellt ist.(er trinkt) - Ha! - Das ist Götterwein! - (die Flöte schweigt) PAMINA (freudig) Taminio? Du hier? - Ich hörte deine Flöte - und lief ich dem Tone nach. - Aber du bist traurig? - Sprichst nicht eine Silbe mit deiner Pamina? (Tamino winkt ihr fortzugehen.) Wie? ich soll dich meiden? liebst du mich nicht mehr? Papageno, sage du mir, was ist meinem Freund? (Papageno hat einen Brocken in dem Mund, hält mit beyden Händen die Speisen zu, winkt fortzugehen.) (Tamino seufzt, winkt wieder fort) PAMINA Liebster, einziger Tamino! - O das ist mehr als Tod!