Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny:Act II: Freunde, ich lade euch ein (Jim, Begbick, Jenny, Bill, Moses, Fatty, Chorus)

Music: Kurt Weill Freunde, kommt, ich lade euch ein, dass ihr mit mir trinkt, denn ihr seht, wie leicht kaun‘s sein, dass man wie Joe versinkt. Witwe Begbick, eine Runde für die Herrn! Bravo, Jimmy! ja, warum nicht! aber gern! Wer in Mahagonny blieb, brauchte jeden Tag fünf Dollar, und wenn er‘s besonders trieb, brauchte er vielleicht noch extra. Aber damals blieben alle in Mahagonnys Poker-Drinksalon. Sie verloren in jedem Falle, doch sie hatten was davon Aber jetzt bezahlen, meine Herren! Jenny, komm her! Jenny, ich hab‘ kein Geld mehr. Am besten ist es, wir fliehn, es ist ganz gleichgültig, wohin Meine Herrn, besteigen wir diesen Kahn zu einer kleinen Fahrt auf dem Ozean! Bleibe unbedingt neben mir, Jenny, denn der Boden schwankt wie bei‘nem Erdbeben, und auch du, Billy, bleibe bei mir jetzt, denn ich werde wieder nach Alaska fahren, weil diese Stadt mir nicht gefällt. Heute Nacht noch werde ich zu Schiffe nach Alaska fahren Der Schnaps in die Toiletten geflossen, die rosa Jalousien herab, der Tabak geraucht, das Leben genossen, wir segeln nach Alaska ab. Halloh, Jimmy, grosser Navigator! Halloh, seht, wie er schon die Segel bedient. Jenny, zieh dich aus, es wird heiss, der Aequator, Bill, setz den Hut fest, der Golfstromwind! Mein Gott, ist das nicht ein Taifun dort hinten! Seht, wie so schwarz der Himmel sich dort überziehet! Das Schiff, das ist kein Kanapee! Stürmisch die Nacht und hoch geht die See! Das Schiff, es schlingert, die Nacht sinkt weit, sechs von uns drei haben die Seekrankheit. Wie schwarz der Himmel ist, seht wie so schwarz der Himmel sich dort überziehet! Am besten ist, wir singen: „Stürmisch die Nacht“, um den Mut nicht zu verlieren. „Stürmisch die Nacht” ist vorzüglich, wenn man den Mut verliert. Stürmisch die Nacht und die See geht hoch, tapfer noch kämpft das Schiff. Horch, wie die Glocke so schaurig klingt, sehet, dort naht ein Riff! Fahrt rascher und fahrt sehr vorsichtig. Segelt unter keinen Umständen gegen den Wind und versucht jetzt nichts Neues. seht, wie der Himmel sich schwarz überziehet! Nein, was da so schwarz ist, meine Freunde, das sind die Wälder von Alaska Jetzt steigt aus, jetzt könnt ihr ruhig sein. Halloh, ist das Alaska? Gib das Geld her für die Getränke! Ach es ist Mahagonny! Jimmy, du hast uns zu trinken gegeben! Jimmy, dafür lassen wir dich leben. Du hast uns gespeist und hast uns getränkt, du hast uns Speise und Trank geschenkt. So, und jetzt bezahlen, Mann! Ja, Witwe Begbick, da merke ich eben, dass ich Sie gar nicht bezahlen kann. Ich habe mein Geld, scheint‘s, ausgegeben. Was, du willst nicht bezahlen? Jimmy, schau doch noch einmal nach, irgendwo hast du sicher noch was. Als ich eben mit euch sprach... Was, der Herr hat keine Moneten? Was, der Herr will nicht bezahlen? Wissen Sie, was das bedeutet? Mensch, da bist du abgeläutet Könnt ihr denn nicht für ihn in die Bresche treten? Und du Jenny? Ich? Ja warum denn nicht? Lächerlich! Was wir Mädchen alles sollen! Das kommt also nicht in Frage für dich? Nein, wenn Sie es wissen wollen. Bindet ihn! Meine Herren, meine Mutter prägte auf mich einst ein schlimmes Wort: ich würde enden im Schauhaus oder an einem noch schlimmern Ort. Ja so ein Wort, das ist leicht gesagt, aber ich sage euch daraus wird nichts! Das könnt ihr nicht machen mit mir! Was aus mir wird, das werden wir seh‘n! Ein Mensch ist kein Tier! Denn wie man sich bettet, so liegt man, es deckt einen da keiner da zu und wenn einer tritt, dann hin ich es und wird einer getreten, dann bist du‘s. Denn wie man sich bettet, so liegt man, es deckt einen da keiner da zu und wenn einer tritt, dann hin ich es und wird einer getreten, dann bist du‘s. Meine Herren, mein Freund der sagte mir damals ins Gesicht: „das Grösste auf Erden ist Liebe“ und „an morgen denkt man da nicht“. Ja Liebe, das ist leicht gesagt, doch so lang man täglich älter wird, da wird nicht nach Liebe gefragt, da muss man seine kurze Zeit benützen! Ein Mensch ist kein Tier! Denn wie man sich bettet, so liegt man, es deckt einen da keiner da zu und wenn einer tritt, dann bin ich es und wird einer getreten, dann bist du‘s. Halloh, Leute, da steht ein Mann, der seine Zeche nicht bezahlen kann. Frechheit, Unverstand und Laster! Und das schlimmste ist: kein Zaster! Da steht natürlich Hängen drauf, doch meine Herren, halten Sie sich nicht auf! Wer in seinem Kober bleibt, braucht nicht jeden Tag fünf Dollar und falls er nicht unbeweibt, braucht er auch vielleicht nicht extra. Aber heute sitzen alle in des lieben Gottes billigem Salon. Sie gewinnen in jedem Falle, doch sie haben nichts davon. Lasst euch nicht verführen, es gibt keine Wiederkehr. Der Tag steht vor den Türen, ihr könnt schon Nachtwind spüren. Es kommt kein Morgen mehr