Siegfried, Act III, Scene 3, VI, Ewig war ich, ewig bin ich

Ewig war ich, ewig bin ich, ewig in süß sehnender Wonne, doch ewig zu deinem Heil! O Siegfried! Herrlicher! Hort der Welt! Leben der Erde! Lachender Held! Laß, ach laß! Lasse von mir! Nahe mir nicht mit der wütenden Nähe! Zwinge mich nicht mit dem brechenden Zwang! Zertrümm’re die Traute dir nicht! Sah’st du dein Bild im klaren Bach? Hat es dich Frohen erfreut? Rührtest zur Woge das Wasser du auf, zerflösse die klare Fläche des Bachs: – dein Bild sähst du nicht mehr, nur der Welle schwankend Gewog’! So berühre mich nicht, trübe mich nicht! Ewig licht lachst du selig dann aus mir dir entgegen, froh und heiter ein Held! O Siegfried! Leuchtender Sproß! Liebe dich, und lasse von mir: vernichte dein Eigen nicht! Dich lieb’ ich: o, liebtest mich du! Nicht hab’ ich mehr mich: o, hätte ich dich! Ein herrlich Gewässer wogt vor mir; mit allen Sinnen seh’ ich nur sie, die wonnig wogende Welle. Brach sie mein Bild, so brenn’ ich nun selbst, sengende Glut in der Flut zu kühlen; ich selbst, wie ich bin, spring’ in den Bach: o, daß seine Wogen mich selig verschlängen, mein Sehnen schwänd’ in der Flut! Erwache, Brünnhilde! Wache, du Maid! Lache und lebe, süßeste Lust! Sei mein! Sei mein! Sei mein! O Siegfried! Dein – war ich von je! Warst du’s von je, so sei es jetzt! Dein – wird’ ich ewig sein! Was du sein wirst, sei es mir heut’! Faßt dich mein Arm, umschling’ ich dich fest; schlägt meine Brust brünstig die deine; zünden die Blicke, zehren die Atem sich; Aug’ in Auge, Mund an Mund: dann bist du mir, was bang du mir warst und wirst! Dann brach sich die brennende Sorge, ob jetzt Brünnhilde mein? Ob jetzt ich dein? – Göttliche Ruhe rast mir in Wogen; keuschestes Licht lodert in Gluten: himmlisches Wissen stürmt mir dahin, Jauchzen der Liebe jagt es davon! Siehst du mich nicht? Wie mein Blick dich verzehrt, erblindest du nicht? Wie mein Arm dich preßt, entbrennst du mir nicht? Wie in Strömen mein Blut entgegen dir stürmt, das wilde Feuer, fühlst du es nicht? Fürchtest du, Siegfried, fürchtest du nicht das wild wütende Weib? Ha! – Wie des Blutes Ströme sich zünden, wie der Blicke Strahlen sich zehren, wie die Arme brünstig sich pressen, – kehrt mir zurück mein kühner Mut, und das Fürchten, ach!, das ich nie gelernt, – das Fürchten, das du mich kaum gelehrt: das Fürchten – mich dünkt – ich Dummer vergaß es nun ganz! O kindischer Held! O herrlicher Knabe! Du hehrster Taten töriger Hort! Lachend muß ich dich lieben, lachend will ich erblinden, lachend la uns verderben, lachend zugrunde gehn! Fahr’ hin, Walhalls leuchtende Welt! Zerfall in Staub deine stolze Burg! Leb’ wohl, prangende Götterpracht! End’ in Wonne, du ewig Geschlecht! Zerreißt, ihr Nornen, das Runenseil! Götterdämm’rung, dunkle herauf! Nacht der Vernichtung, neble herein! Mir strahlt zur Stunde Siegfrieds Stern: leuchtende Liebe, lachender Tod! Lachend erwachst du Wonnige mir: Brünnhilde lacht! Heil dem Tage, der uns umleuchtet! leuchtende Liebe, lachender Tod!