Music: Wolfgang Amadeus Mozart
(Ein Marsch mit Trompeten und Pauken fällt ein.)
GEFOLGE (von innen)
Es lebe Sarastro! Sarastro lebe! –
PAPAGENO
Was soll dies bedeuten? Ich zitt’re, ich bebe! –
PAMINA
O Freund! nun ist’s um uns getan!
Dies kündigt den Sarastro an!
PAPAGENO
O wär’ ich eine Maus,
wie wollt’ ich mich verstecken,
wär’ ich so klein wie Schnecken,
so kröch’ ich in mein Haus! –
Mein Kind, was werden wir nun sprechen? –
PAMINA
Die Wahrheit – die Wahrheit, sei sie auch Verbrechen! –
(Ein Zug von Gefolge; zuletzt fährt Sarastro auf einem Triumphwagen heraus, der von sechs Löwen gezogen wird.)
GEFOLGE
Es lebe Sarastro, Sarastro soll leben!
Er ist es, dem wir uns mit Freuden ergeben!
Stets mög’ er des Lebens als Weiser sich freu’n. –
Er ist unser Abgott, dem alle sich weih’n.
PAMINA (kniet)
Herr, ich bin zwar Verbrecherin! –
Ich wollte deiner Macht entfliehn. –
Allein die Schuld ist nicht an mir!
Der böse Mohr verlangte Liebe,
darum, o Herr, entfloh ich dir! –
SARASTRO
Steh auf, erheit’re dich, o Liebe,
denn ohne erst in dich zu dringen,
weiß ich von deinem Herzen mehr,
du liebest einen ander’n sehr.
Zur Liebe will ich dich nicht zwingen,
doch geb’ ich dir die Freiheit nicht.
Zur Liebe will ich dich nicht zwingen,
doch geb’ ich dir die Freiheit nicht.
PAMINA
Mich rufet ja die Kindespflicht,
denn meine Mutter –
SARASTRO
steht in meiner Macht,
du würdest um dein Glück gebracht,
wenn ich dich ihren Händen ließe. –
PAMINA
Mir klingt der Mutter Namen süße.
Sie ist es – sie ist es –
SARASTRO
und ein stolzes Weib. –
Ein Mann muß eure Herzen leiten,
denn ohne ihn pflegt jedes Weib
aus ihrem Wirkungskreis zu schreiten.
(Tamino wird von Monostatos herbeigezerrt.)
MONOSTATOS
Nun, stolzer Jüngling; nur hierher!
Hier ist Sarastro, unser Herr! –
PAMINA
Er ist’s,
TAMINO
Sie ist’s,
PAMINA
ich glaub’ es kaum,
TAMINO
sie ist’s,
PAMINA
er ist’s.
TAMINO
es ist kein Traum.
PAMINA und TAMINO
Es schling’ mein Arm sich um ihn/sie her,
und wenn es auch mein Ende wär’!
(Sie umarmen sich.)
GEFOLGE
Was soll das heißen?
MONOSTATOS
Welch eine Dreistigkeit!
Gleich auseinander, das geht zu weit!
(trennt sie, kniet vor Sarastro nieder.)
Dein Sklave liegt zu deinen Füßen,
laß den verweg’nen Frevler büßen.
Bedenk, wie frech der Knabe ist!
Durch dieses selt’nen Vogels List (auf Papageno zeigend)
wollt’ er Pamina dir entführen,
allein, ich wußt’ ihn aufzuspüren.
Du kennst mich! – meine Wachsamkeit –
SARASTRO
verdient, daß man ihr Lorbeer streut!
He! gebt dem Ehrenmann sogleich –
MONOSTATOS
Schon deine Gnade macht mich reich! –
SARASTRO
nur sieben und siebenzig Sohlenstreich’.
MONOSTATOS
Ach Herr, den Lohn verhofft’ ich nicht.
SARASTRO
Nicht Dank! Es ist ja meine Pflicht!
(Monostatos wird fortgeführt.)
GEFOLGE
Es lebe Sarastro, der göttliche Weise,
er lohnet, und strafet in ähnlichem Kreise.
SARASTRO
Führt diese beiden Fremdlinge
in unser’n Prüfungstempel ein,
bedecket ihre Häupter dann –
sie müssen erst gereinigt sein.
(Zwei bringen eine Art Sack und bedecken die Häupter der beiden Fremden.)
GEFOLGE
Wenn Tugend und Gerechtigkeit
den Großen Pfad mit Ruhm bestreu’n,
dann ist die Erd’ ein Himmelreich,
und Sterbliche den Göttern gleich.